meine Katze und der Krebs

Die Diagnose Krebs beim Tier braucht nicht mehr in jedem Fall ein Todesurteil zu sein. Nein, auch für das Tier stehen in der Onkologie Therapieformen wie Chirurgie, Radiotherapie und Chemotherpie (spezifische Hemmung von Tumorzellen im Organismus mittels Medikamenten) zur Verfügung. Während Chemotherapeutika eingesetzt werden, um Metastasen ("Absiedlung" von Tumorzellen an anderer Stelle im Organismus durch Verschleppung aus dem primären Tumor) zu bekämpfen, sind die Chirurgie und die Strahlentherapie lokale, allenfalls regionäre Behandlungsmethoden. Chirurgie und Chemotherapie werden bereits vielerorts eingesetzt, die Möglichkeit der Strahlentherapie für Tirere hingegen besteht in Europa ausschliesslich in Zürich und Paris. In Narkose erhalten die vierbeinigen Patienten hier 3 bis 16 Bestrahlungen.

Bis mit einer Bestrahlung begonnen werden kann, braucht's allerdings einiges. Wichtig ist der Radio-Onkologin eine ganzheitliche Untersuchung des Patienten zu gewährleisten und den Tierhalter umfassend zu beraten. Welche Therapieform für welches Tier Sinn macht, wird vorab gründlich abgeklärt. Die Strahlentherapie, ihre Nebenwirkungen, der finanzielle Aufwand, das Alter und der Allgemeinzustand des Tieres, die Mensch-Tier-Beziehung, der psychische Zustand von Tier und Halter - und nicht zuletzt der Krebs selber in seinen unzähligen Formen sind entscheidend für die Wahl der Therapie.

Die Diagnosestellung: http://www.kleintiermedizin.ch/katze/tumor/tumor4.htm

Die Strahlentherapie: www.kleintiermedizin.ch/katze/tumor/tumor7.htm

Die Chemotherapie: www.kleintiermedizin.ch/katze/tumor/tumor6.htm


  • Am 21.07.2003 wurde die Katze "Roxy" in der Radio-Onkologie Abteilung des Tierspitals aufgrund eines histiozytären Sarkoms am rechten medialen Augenwinkel vorgestellt.

    Befunde:
    Allgemeinbefinden ungestört
  • Masse am rechten medialen Augenwinkel ca. 5x5mm im Durchmesser, gerötet
  • Ln submand, rechts palpatorisch vergrössert -> Feinnadelaspiration ergab positiven Befund für Metastasierung in den Lymphknoten
  • Röntgen Thorax: o.b.B.
  • Labor-Befund: Kreatinin 200umol/l (98-163), ansonsten o.b.B. (Harnstoff 12,3mmol/l (7,4-12,6)

Bewertung und empfohlenes Vorgehen:

Trotz des positiven Lymphknotens wird der Tumor als langsam metastasierend eingestuft und eine lokale Strahlenbehandlung (kurativ oder palliativ) des Tumors und des Lymphknotens empfohlen. Die Besitzerin muss sich entscheiden, ob sie eine Radiotherapie für Roxy wünscht. Roxy erhielt eine Dosis Doxorubicin (20mg/m2) und wurde vorläufig mit Prednisolon (5mg einmal tägl. PO) nach Hause geschickt, eine lokale Therapie wäre bei diesem Tumor jedoch empfehlenswert.  

Zwischenbericht von Roxy

Vom 21.7.2003 bis 31.7.2003 wurde das histiozytäre Sarkom am rechten Auge und der rechte Mandibularlymphknoten insgesamt 4mal mit je 8 Gray bestrahlt.
Roxy hat die Narkosen immer gut überstanden, und am Ende der Therapie hat man keine akuten Strahlenreaktionen gesehen. Sowohl Tumor als auch Manibular-lymphknoten haben sich nicht stark verändert. Da das rechte Auge mit im Strahlenfeld war, ist es möglich, dass sich dort Strahlenschäden bemerkbar machen (Hornhaut- oder Linsentrübung, bis hin zu Netzhautablösung). Wir hoffen, diesem Prozess teilweise mit der Gabe von Optimmune® Augensalbe 1x tgl. entgegenzuwirken. Wir werden Roxy in 2 Wochen zur Nachkontrolle und zur 3. Doxorubicingabe wiedersehen.

04. September 2003

Die 3. Doxorubicinegabe konnte erfolgreich verabreicht werden. Eigentlich erhoffte man sich, dass sich der Tumor verkleinert, was leider nicht der Fall ist. Es kann jedoch sein, dass der Tumor in den nächsten Wochen noch kleiner wird, da die Wirkung von der Strahlentherapie noch immer da ist.

Nun gibt es eine 3-monatige Pause. Danach muss Roxy zur Nachuntersuchung. Ob die Therapie erfolgreich war oder nicht kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Es ist gut möglich, dass der Tumor nun während dem nächsten Jahr nicht mehr wächst. Es kann aber auch sein, dass er bereits in zwei bis drei Monaten wieder zu wachsen beginnt.

02. November 2003

 Im Verlaufe der 2 Monate hat sich Roxy im Halsbereich wo sie bestrahlt wurde sämtliche Haare ausgekratzt. Und unterhalb des bestrahlten Auges fielen ihr die Haare auch aus. Weitere Nebenwirkungen sind mir jedoch keine aufgefallen. Sie spielt, sie geht spazieren und sie frisst wie immer. Die ausgefallenen Haare wachsen nun langsam wieder nach. Jedoch haben sie ihre ursprüngliche Farbe verlohren. Sie sind nun alle weiss. Seit ca. 2 Wochen hatte ich das Gefühl, dass der Krebs im Auge wieder zu wachsen begonnen hat. Sollte er doch eigentlich kleiner werden. Die Nachkontrolle wäre ja erst im Dezember fällig gewesen, doch ich hielt es nicht länger aus. Also vereinbarte ich in Zürich einen Termin, welcher ich am 29. Oktober 2003 warnehmen konnte. Bei der Kontrolle wurde Roxy Blut abgenommen und von der Lunge ein neues Röntgen gemacht. Nach einer knappen Stunde hatte ich das Resultat. Die Lunge wie auch die Schilddrüse waren nicht befallen. Mir viel ein STEIN vom Herzen. Betreffend meinem Verdacht beim Auge, konnte die Aerztin leider nichts genaues sagen. Sie empohl mir jedoch, eine Chemotherapie zu machen, welche ich zuhause selber verabreichen kann. So kann man vermeiden, zu spät zu reagieren, falls der Tumor im Auge wirklich wieder zu wachsen begonnen hat. Nun muss ich in 10 Tagen ein Blutbild machen lassen, um zu sehen, dass Roxys weisse Blutkörperchen noch genügend vorhanden sind und in 4-6 Wochen zur Nachkontrolle nach Zürich.


Wenn ich daran denke, dass Roxy heute ohne Behandlung schon nicht mehr bei mir wäre, bin ich froh, mich für die Behandlung entschieden zu haben.

22. Dezember 03:
Kurz vor Weihnachten fuhr ich mit Roxy wieder nach Zürich zur Nachkontrolle. Der Tumor am Auge war wieder gewachsen. Die Chemotherapie wie auch die Strahlentherapie haben nicht so angeschlagen, wie sich das die Aerzte vorgestellt hatten. Da es Roxy aber ansonsten sehr gut geht und sie keinerlei Anzeichen von Schmerzen, Appetitlosigkeit, Unwohlsein usw. zeigte, entschied man, nun den Tumor am Auge, wie auch den Tumor am Hals chirurgisch zu entfernen. Aufgrund der Grösse des Tumor's am Auge, beeinträchtigte dieser Roxy's Sicht. Der Termin wurde auf nächstes Jahr festgelegt.

7. Januar 2004:
Am 7. Januar wurde Roxy von der Onkologie an die Abteilung für Veterinär-Ophtalmologie zur Entferung des Lidtumors am rechten Auge und zur Entfernung des mandibulären Lympfknotens rechts überwiesen.
Das Lungenröntgen zeigte keine Metastasen in der Lunge. Der Lidtumor (ca. 1cm) am medl. Lidrand des Unterliedes hatte sich auch auf den medl. Lidrand des Oberlides und auf die Nickhaut ausgebreitet. Der Tumor und die Nickhaut wurde exzidiert und eine Verschiebe-Lidplastik durchgeführt, um den Lidrand wieder herzustellen.

Damit Roxy sich die frischen Nahte nicht aufkratzen konnte, bekam sie einen Halskragen. Mit diesem Kragen war es für Roxy nur sehr mühsam, geradeaus zu laufen. Das Gleichgewicht konnte nur schwer gehalten werden. Zum Glück musste Roxy diesen Kragen nur 7 Tage tragen. Während dieser Zeit durfte sie leider nicht aus dem Haus. Das schien ihr jedoch nicht allzuviel auszumachen. War das Wetter doch nur kalt und nass.

Von der Operation erholte sich Roxy sehr schnell. Ich war froh darüber; war ich mir doch nicht mehr sicher, wirklich das Beste für Roxy zu tun.

Am 22. Januar war Roxy zur Kontrolle. Der Lidrand sieht gut aus, die Lidspalte ist jedoch noch klein, da die Haut noch ziemlich gespannt und ggr. geschwollen ist. Da der Lidschluss noch nicht vollständig möglich ist, empfehlen die Aerzte weiterhin 3x tgl. Vitamin A Augensalbe zu geben.

Der Befund aus der Histologie ergab malignes Melanom, sowohl den Lidtumor als auch den Lympfknoten betreffend. Eine Kontrolle in 2 Monaten auf der Onkologie ist vereinbart.

3. Februar 2004 Roxy geht es gut und sie geniesst den Schnee !!!

Dieses Bild zeigt Roxy zum jetzigen Zeitpunkt (März 2004). Das Auge ist relativ gut verheilt. Der Tumor ist nicht sichtlich weitergewachsen. Am Montag, den 22. März 2004 ist die nächste Kontrolle. Dann wird geprüft, ob die Lunge weiterhin noch ohne Krebsbefall ist.

Ende März 2004
Die Kontrolle am 22. März 04 hat folgendes ergeben: Die Lunge ist nach wie vor frei von Metastasen. Jedoch im Schulterbereich hat sich ein neuer Haselnuss grosser Tumor gebildet. Nach einem intensiven Gespräch mit den Aerzten habe ich mich entschlossen, diesen Tumor chirurgisch zu entfernen.
Dabei wird auch noch gleich beim rechten Auge eine Korrektur vorgenommen, damit Roxy das Auge wieder gebrauchen kann. Die erste Operation war erfolgreich, kamen ihr aber nun immer die Häärchen ins Auge, was einen dauernden Schleier zur Folge hatte. Mit der Korrektur sollte dann auch dieser Schleier aus der Welt geschaffen werden. Die Operation wurde auf den 31. März 04 festgelegt.

5. April 2004
Die Operation verlief ohne grosse Schwierigkeiten und ich konnte Roxy noch am selben Tag wieder abholen. Roxy erholt sich sehr gut von den Operationen und geniesst bereits wieder die Frühlingssonne draussen. Foto's folgen....I

18. Juni 2004
Mein Gefühl sagte mir, dass es Roxy schlechter ging. Ich konnte nicht erklären wieso, aber ich wollte, bevor ich in die Ferien fuhr, sicher sein, dass es Roxy noch gut geht und sie nach wie vor schmerzfrei ist. Denn seit einigen Tagen hat Roxy Beiss-Attacken auf ihrem kranken Auge. Dabei wacht sie nachts auf und ihr Auge, oder besser gesagt der Lidrand des Auges beisst sie wie verrückt. Ich empfand und empfinde diese Attacken als sehr schmerzhaft, wenn ich Roxy dabei beobachte. Also fuhr ich mit  einem sehr schlechten Gefühl nach Zürich. Ich war auf alles vorbereitet.
In Zürich versicherten mir die Aerzte, dass Sie keine Schmerzen hat. Für das Beissen erhielt ich Schmerztropfen und Tabletten. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Eigentlich hätte man ihn überall in der Schweiz hören sollen! Roxy kann den nächsten Monat weiterhin schmerzfrei geniessen. Was im August sein wird werden wir sehen. Dann heisst es erneut, bangen und auf Alles vorbereitet sein. Ich wünsche Euch trotzdem einen schönen Sommer.

19. Juli 2004

16.09.2004
Nun ist es bereits Herbst geworden und Roxy ist immer noch bei mir. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Das beissen hat leider nicht aufgehört. Nein, es wird eher schlimmer. An guten Tagen hat sie nur einen Beissanfall. An schlechten Tagen bis zu 6mal. Die Attacken dauern jedoch nicht länger als ca. 10 Sekunden. Nach einer Attacke verlangt Roxy komischerweise immer gleich nach fressen. Wenn draussen die Sonne scheint verbringt Roxy den ganzen Tag draussen. Wenn es regnet, bevorzugt sie die Wärme drinnen. In der Nacht schläft sie ganz nahe bei mir im Bett. Gewicht hat Roxy seit der Krankheit 200g abgenommen. Arztbesuche habe ich keine mehr gemacht. Ich denke, dass ich ihr den Stress ersparen will. Momentan denke ich über einen Hausbesuch unseres Tierarztes nach.

letzter Update vom 12.12.04: siehe dazu Hauptseite (nach unten scrollen)

Vielen Dank für Ihr Interesse. Gruss B. Andersen
12.12.04